Geschichte des Damenstifts St. Stephan

St. Gallus
St. Gallus

Das Gebiet bei St. Stephan gehört zum ältesten Teil der Stadt. Unter dem Klostergelände werden die Reste des Forums aus der Römerzeit vermutet.
Früh war dieses Gebiet am Rand der alten Bischofsstadt auch christlich besiedelt. Wichtigstes Zeugnis ist dafür bis heute die Kirche St. Gallus.

Das Galluskirchlein

An den volkstümlichen Überlieferungen der Augsburger Stadttradition wird das Bestreben deutlich, Altehrwürdigkeit und Bedeutsamkeit dieses Ortes zu betonen. So wird diese Stelle mit der Erstmissionierung des christlichen Bischofs Luzius verbunden. Noch die Ausgrabungen um 1960 vermuten eine Doppelbasilikenanlage, die dann mit der ursprünglichen Bischofskirche und dem Sitz eines Archidiakons (Generalvikar) in Verbindung gebracht wird.

Am "Dahinab" bei St. Gallus
Am "Dahinab" bei St. Gallus

Die Weihe eines späteren Kirchenbaus mit dem Galluspatrozinium wird Papst Leo IX. (1049 – 1054) bei einem seiner Deutschlandbesuche zugeschrieben.
Noch einmal erhält der Ort geschichtliche Bedeutung, weil Martin Luther 1518 beim „Dahinab“ (Gallusbergle) überstürzt durch das Stephingertor die Stadt verlassen habe.

Die Renovierung von 1589 stellt den heutigen Bauzustand des Kirchleins her. Sie präsentiert sich als einschiffiger Raum mit eingezogenem Altarraum und drei Kreuzgewölben, deren westliches durch einen Gurtbogen abgetrennt ist. Vor allem ist die Stuckkassettierung an der Decke des Altarraums hervorzuheben, ebenso die Terrakotta–Girlanden und deren Schlussrosetten an den Kreuzrippen. Von Terrakotta–Profilen umgeben sind auch die abwechselnden Rundfenster und Rundbogenfenster. Auffällig sind die mit Stuckmuscheln gefassten Figurennischen.

St. Gallus
St. Gallus
St. Gallus, Marienmandorla
St. Gallus, Akanthus-Ornamentik
St. Gallus, Marienmandorla
St. Gallus
St. Gallus, Marienmandorla
St. Gallus, Akanthus-Ornamentik
St. Gallus, Akanthus-Ornamentik
St. Gallus
St. Gallus, Marienmandorla
St. Gallus, Akanthus-Ornamentik


Weitere Renovierungen und Neuausstattungen erfolgten 1622 und 1759. Offensichtlich wurden Äbtissinnen und Stiftsdamen hier beigesetzt.

Das Damenstift

Grabplatte der 1. Äbtissin Eleusina (Ellensind)
Grabplatte der 1. Äbtissin Eleusina (Ellensind)
Grabplatte der Äbtissin Euphro- syna von Kreuth
Grabplatte der Äbtissin Euphro- syna von Kreuth
Grabplatte der 1. Äbtissin Eleusina (Ellensind)
Grabplatte der Äbtissin Euphro- syna von Kreuth


Klösterliches Leben gibt es an diesem Ort bereits seit Bischof Ulrich: Er gründete 969 an der Stelle des heutigen Klosters am Rande der Altstadt ein Kanonissenstift für adelige Damen, das er unter das Patronat des ersten Märtyrers, des hl. Stephanus, stellte.

Die Tatsache einer Klostergründung bei der benachbarten Kirche St. Stephan wird mit der Überlieferung begründet, hier sei Diepold, der Bruder Bischof Ulrichs in der Ungarnschlacht erschlagen worden. Ellensind, die erste Leiterin dieser Gemeinschaft, wird später als Schwester des hl. Ulrich bezeichnet.


Als bedeutendste schriftliche Quelle für St. Stephan ist die Gründungsurkunde Bischof Ulrichs vom 23. April 969 zu nennen, die heute von den Fachhistorikern in das 11. Jahrhundert datiert wird.

Weitere Kenntnisse erschließen sich aus mehreren Inschriften, die sich in der heutigen Kirche St. Gallus bzw. im Chorumgang von St. Stephan finden und den Kenntnisstand des Jahres 1589 oder späterer Jahre wiedergeben.

oben: Gründungsurkunde des Damenstifts 969;     linkes Bild: Der hl. Ulrich stiftet und baut St. Stephan - Buchmalerei 15. Jh.
oben: Gründungsurkunde des Damenstifts 969; linkes Bild: Der hl. Ulrich stiftet und baut St. Stephan - Buchmalerei 15. Jh.
oben: Gründungsurkunde des Damenstifts 969;     linkes Bild: Der hl. Ulrich stiftet und baut St. Stephan - Buchmalerei 15. Jh.


Bis zur Säkularisation 1803 führten die Kanonissen in St. Stephan in den Wechselfällen der Geschichte ein geistliches Gemeinschaftsleben.
Der Bau, der dann später den Benediktinern zugewiesen wurde, war erst Mitte des 18. Jahrhunderts fertiggestellt worden. Nach 1803 diente er dann zeitweise als Monturmagazin für das königliche Militär.

Die Säkularisation des Damenstiftes bei St. Stephan 1803 und die Übernahme Augsburgs durch Bayern 1805/06 führten auch zum Ende der Pfarrei St. Stephan. Diese wurde 1809 unter St. Georg und der Dompfarrei aufgeteilt. St. Gallus  konnte nach langwierigen Verhandlungen ebenso wie St. Stephan als „Nebenkirche“ weiter bestehen mit der Auflage, die Dompfarrei müsse für den Unterhalt aufkommen.
Die Neubesiedlung St. Stephans mit Benediktinern im Jahr 1835 durch König Ludwig I. von Bayern änderte an der Besitzlage nichts.

Das Galluskirchlein im 20. Jahrhundert

Wie es scheint, führte die kleine Kirche seit der Säkularisation  ein Schattendasein. Ausnahmen bildeten Zeiten außerordentlicher Umstände. Diese sind mit dem Namen des Benediktiners P. Gregor Lang (1884 – 1962) verbunden, der hier wohl schon vor, sicher aber unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg mit Jugendlichen des Quickbornbundes neben St. Peter im Perlach einen Ort zur Feier der erneuerten Eucharistie hatte. Weil diese Aktivitäten der Liturgischen Bewegung anfänglich mit großem Misstrauen verfolgt wurden und die Eucharistiefeiern in überschaubaren Räumen stattfinden sollten, war St. Gallus dafür wohl geeignet. Nebenbei versah P. Gregor Lang auch den Mesner- und Läutedienst.