Wetterstation

Wetterstation
Wetterstation
Augustin Stark
Augustin Stark
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Augustin Stark

Die Wetterwarte im Klostergarten von St. Stephan gilt neben der Station auf dem Hohenpeißenberg als „Säkularstation“ in Bayern: Seit mehr als 170 Jahren – und seit 1879 mit amtlich-einheitlichen Geräten – wurde und wird am selben Ort und bei kaum veränderter baulicher Umgebung das Wettergeschehen täglich dokumentiert, von ganzen fünf Wochen während des Zweiten Weltkriegs abgesehen.

Gerade für die vergleichende Meteorologie ist dies von unschätzbarem Wert, zumal für Augsburg; denn hier wechselte die Wetterstation seit dem Krieg dreimal ihren Platz: vom Klostergarten (Reichswetterdienst bis Kriegsende) in den bebauten Stadtrand nach Kriegshaber und schließlich an den Flughafen Augsburg-Mühlhausen ins unbebaute, zugige Lechtal.

Begonnen haben die instrumentellen Wetterbeobachtungen und Messungen in Augsburg schon 1812 unter dem Domkapitular und Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Augustin Stark (1771 - 1839). Er hat seine Messergebnisse selbst bis 1837 als „Meteorologische Jahrbücher“ veröffentlicht. Dazu hat er, was besonders bedeutsam ist, auch das dazu verwendete meteorologische Instrumentarium, welches aus der Werkstatt des bekannten Augsburger Mechanikus Georg Friedrich Brander (1713 - 1783) und dessen Schwiegersohn Höschel stammte, im Jahr 1815 eingehend beschrieben.

Von Augustin Stark verwendete Geräte des Augsburger Instrumentenbauers G. F. Brander
Von Augustin Stark verwendete Geräte des Augsburger Instrumentenbauers G. F. Brander
Temperaturmessgerät von 1867
Temperaturmessgerät von 1867
Wettermacher Frater Leonhard
Wettermacher Frater Leonhard
Temperaturmessgerät von 1867
Wettermacher Frater Leonhard

Gleichsam als Erbe von Augustin Stark hat sein Schüler und späterer geistlicher Mitarbeiter Johann Andreas Postelmayer die Wetterbeobachtungen nach seinem Eintritt ins Kloster St. Stephan dort ab 1838 weitergeführt. Es besteht damit heute eine mehr als 170-jährige Messreihe ohne wesentliche Unterbrechungen am selben Ort in Augsburg.

Nachdem König Ludwig II. 1878 in München die „Kgl. Baierische Meteorologische Centralstation“ gegründet hatte mit dem Auftrag, in Bayern ein amtliches und nach einheitlichen Richtlinien arbeitendes meteorologischen Beobachtungsnetz einzurichten, unterstand dann die Stephaner Station dieser Centralstation in München und wurde mit neuen einheitlichen Messgeräten ausgestattet.

Zwar hat 1974 der Deutsche Wetterdienst den amtlichen Betrieb dieser Station eingestellt, doch werden durch die Intiative des Verfassers auf privater Ebene die Messungen und Registrierungen durch Brüder des Benediktinerklosters St. Stephan – gegenwärtig von Frater Leonhard – weitergeführt und werden vom Verfasser weiterhin ausgewertet und archiviert. Dieses ehrenamtliche Engagement des Klosters sichert die fürdie Klimaforschung so wertvollen Grundlagen.

                                                                     Klaus Hager

Die inzwischen auch elektronisch erfassten aktuellen Messwerte sind hier zu verfolgen

 

 

Klaus Hager, Regierungsdirektor a.D. und ehem. Leiter der Geo-Informations- und Beratungsstelle beim Jagdbombergeschwader 32 in Lechfeld, mit Lehrauftrag zur angewandten Klimatologie beim Lehrstuhl für Physische Geographie  und Quantitative Methoden der Universität Augsburg.