Das Tagesinternat – ein Ort zum Leben und Lernen

Freiwilliges Studium am Ende der Ferien
Freiwilliges Studium am Ende der Ferien

„Das Semex ist schon cool.“ H. bleibt kurz stehen und lächelt verschmitzt. Ich hatte ihn gefragt, wie er das Tagesinternat denn so finden würde. Er will sich schon wieder umdrehen, um in den Hof zum Fußballspielen zu eilen, da meint er: „Na ja, nicht immer, manches nervt auch!“ Er grinst und will los, da halte ich ihn nochmal auf und will wissen, was ihn denn so nervt. Schon wieder dieses verschmitzte Lächeln: „Das Lernen halt!“ Und schon verschwindet er in den Hof. Ich bleibe zurück etwas verdutzt und dann beginne ich doch zu schmunzeln. Ich hätte dem 12jährigen gern in Ruhe erklärt, dass seine Idee vom „Semex“ nicht so ganz deckungsgleich ist, mit unseren Vorstellungen und schon gar nicht mit denen seiner Eltern. Und auch aus Gesprächen mit vielen Schülern habe ich erfahren, dass die Idee, das Semex sei eine Art Freizeit- und Jugendzentrum, in dem lästiger Weise noch hin und wieder gelernt werden muss, nicht die Vorstellung der meisten unserer Kinder und Jugendlichen ist.

Konzentriertes Arbeiten im Studiersaal
Konzentriertes Arbeiten im Studiersaal

Wer unsere Lernzeiten einmal besucht, wird feststellen, dass es eine intensive, weitgehend konzentrierte und dabei doch lebensfreundliche Atmosphäre ist, die in den einzelnen Studiersälen herrscht. Jeder Schüler und jede Schülerin soll sich gefordert und gefördert fühlen können, wird unterstützt dabei, einen eigenen, möglichst anspruchsvollen Lernweg zu finden. Wir fordern eigenständiges und selbstverantwortliches Lernen und wollen aber, dass sich möglichst jeder Schüler begleitet und angenommen fühlt, in dem guten Wissen, dass da immer noch jemand ist, der hinter einem steht, wenn´s schwer fällt und das eigene Verständnis im Augenblick versagt.

 Tatsächlich gibt es zahlreiche Maßnahmen, die neben den Hilfen beim Anfertigen der Hausaufgabe, zur schulischen Förderung gedacht sind. Es seien nur die Übungen und Fördereinheiten während der Studierzeiten genannt, oder die Fördergruppen unter der Woche, die noch einmal erkannte Schwierigkeiten aufgreifen und bearbeiten sollen, oder die sogenannten Seminarsamstage an denen viel Vorbereitung für Tests und Schulaufgaben betrieben wird. Schön ist es dabei, wenn man nach vielen Erklärungsversuchen und Hilfen plötzlich vom Schüler hört: „Jetzt hab ich´s verstanden!“ Das sind genau jene Momente, an denen man weiß, dass sich all das Bemühen und die Zusammenarbeit mit unseren Kindern und Jugendlichen lohnt.

 

Kreativität beim Sommerfest
Kreativität beim Sommerfest
Gemeinsames Fußballspiel im Hof: Schüler, Präfekten und Eltern
Gemeinsames Fußballspiel im Hof: Schüler, Präfekten und Eltern
Kreativität beim Sommerfest
Gemeinsames Fußballspiel im Hof: Schüler, Präfekten und Eltern
Grillfest im Sommer
Grillfest im Sommer
Geburtstagsfeier
Geburtstagsfeier
Grillfest im Sommer
Geburtstagsfeier


Und doch sind wir, da hat H. schon recht, so viel mehr, als eine Lern- und Übungseinrichtung. Kürzlich sagte mir ein Vater im Gespräch: „Das Semex ist ganz anders als jede Schule, auch noch so ein Stück Heimat und Ankommen.“ Ein größeres Lob kann dieses Haus und unsere Arbeit nicht erfahren, denn das ist es, was wir uns wünschen: Neben all dem Lernen und Üben eine Gemeinschaft bilden, in der jeder einzelne gerne hierher kommt, sich wohl und angenommen fühlen kann. Damit wir uns richtig verstehen: Auch wir sind kein Paradies auf Erden und auch im Tagesinternat gibt es Probleme, Konflikte, Streit und unschöne Ereignisse! Wir wollen auch gar nicht jenseits der gesellschaftlichen Wirklichkeit existieren, denn wir versuchen nicht, die Probleme zu leugnen, sondern mit unseren Schülerinnen und Schülern Wege zu finden, wie man Probleme bewältigen kann, wir versuchen nicht Konflikte und Streit zu unterdrücken und zu ignorieren, sondern gemeinsam Wege zu finden wie sie zu lösen sind. Eine wichtige Rolle kommt dabei uns Präfekten zu. Unser Umgang mit den Schülern und unser Verhalten müssen immer beispielhaft sein. Die Kinder und Jugendlichen sollen von uns Erwachsenen lernen können, was Anstand, Höflichkeit und Mitgefühl heißt, aber auch was es bedeutet, zusammenzuarbeiten, sich gegenseitig zu helfen, teamfähig zu sein. So versuchen wir Rücksicht, Zuverlässigkeit und Arbeitsbereitschaft vorzuleben, aber entsprechend auch von unseren Schülerinnen und Schülern einzufordern. Es ist nicht wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen in unserem Haus jeden Wunsch erfüllt bekommen oder wir sie in allem zufriedenstellen, wichtig ist, dass sich junge Menschen von uns ernst genommen und fair behandelt fühlen. Meine Erfahrung ist, dass man jungen Menschen durchaus etwas Zutrauen und auch Zumuten darf, sie durchaus an ihre Fähigkeiten erinnern und sie einfordern sollte. Nur so können Kinder auch wachsen.


Wir lernen gemeinsam, wir üben gemeinsam, wir leben hier auch für einen nicht unerheblichen Teil des Tages gemeinsam. Um diese Gemeinsamkeiten noch zu fördern, besondere Erlebnisse und freudige Erinnerungen zu schaffen, unternehmen wir mit unseren Schülerinnen und Schülern, aber auch mit den Eltern, viele Dinge. Gemeinschaft ist eben auch das gemeinsame Essen, das gemeinsame Spielen, sind gemeinsame Ausflüge und Feste, gemeinsame Projekte und Aktionen. Es gibt eine Vielzahl davon, oft sind es nur kleinere Dinge, wie Vorlesen, Malen oder einmal einen Film anschauen, manchmal verreisen wir sogar gemeinsam oder laden zu Festen ein. Jedes Jahr wird so mit relativ großem Aufwand das Nikolaus- oder das Seminarfest begangen. Und das schöne ist: Ich darf auch immer das Gefühl haben, dass meine Mitarbeiter diese Dinge gern begehen und wir uns auch bei solchen Gelegenheiten auf das gemeinsame Feiern mit allen Schülerinnen und Schülern, aber auch auf die Eltern freuen. Tatsächlich sind uns alle willkommen und jeder sollte sich bei uns angenommen fühlen.

Ausflug in die Breitachklamm ...
Ausflug in die Breitachklamm ...
... und zum Skifahren am Grubigstein
... und zum Skifahren am Grubigstein
Ausflug in die Breitachklamm ...
... und zum Skifahren am Grubigstein

 

Schließlich noch einige Daten des Jahres 2014:

Derzeitige Anzahl der Schülerinnen und Schüler: 125
Derzeitige Anzahl der Gruppen: 6
Präfekten:       
5. Klasse: Frau Bäck und Herr Rußer, 6. Klasse: Frau Drechsler, 7. Klasse: Frau Mardaus, 8./9. Klasse: Herr Kasberger, 10 – 12. Klasse: Pater Augustin

Mein Dank gilt allen, ohne die unsere Arbeit auch im Jahr 2014 nicht möglich gewesen wäre:
Zuallererst natürlich meinen Mitarbeitern, die mit großem Engagement und großer Sorge für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen täglich tätig sind, dann natürlich dem Kloster, im Besonderen Abt Theodor und Pater Gregor, die mit großer Kraft und nach allen Möglichkeiten unsere Arbeit unterstützen, dem gesamte Hauswirtschaftsteam unter der Leitung von Frau Reiger und Frau Fackelmann, den Mitarbeitern der Küche unter der Leitung von Frau Klein, unseren Hausmeistern Herrn Michl und Herrn Helms, der Mitarbeiterin der Verwaltung Frau Helms und schließlich dem Direktorat und den Kollegen am Gymnasium für die Zusammenarbeit.